Anmelden | Registrieren
Drucken

Alter

Alter in der Gesellschaft

Das Altersbild in unserer Gesellschaft ist eher negativ geprägt. Altern wird häufig gleichgesetzt mit Krankheit, Immobilität, Verlust der körperlichen und seelisch-geistigen Leistungsfähigkeit, Unselbstständigkeit und Einsamkeit. Auf der anderen Seite steigt die Lebenserwartung besonders in den Industrieländern stetig. Wirklich profitieren können die Menschen davon aber nur, wenn die Lebensqualität nicht sinkt. Diese setzt sich zusammen aus objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden und ist somit einer Reihe von Einflussfaktoren ausgesetzt. Wichtige Größe ist dabei die Gesundheit. Und hier liegt die Krux: Mit zunehmendem Alter leiden die Menschen eher an chronischen Erkrankungen und sonstigen körperlichen und seelischen Einschränkungen. Diese zum einen möglichst gering zu halten, zum anderen damit konstruktiv umzugehen, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, das Alter zu einem produktiven Lebensabschnitt zu machen.

Der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung entsprach Jahrhunderte lang einer Pyramide, bei der die Kinder und Jugendlichen die Basis und die älteren Menschen die Spitze bildeten. Heute ist sie einer Zwiebelform gewichen, in der die 35- bis 65-Jährigen dominieren. Man schätzt, dass sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen bis zum Jahr 2050 von derzeit etwa 21 auf 16 % verringern und der Anteil der über 60-Jährigen von derzeit etwa 22 % um fast 15 % erhöhen wird. Der Anteil der Menschen über 80 Jahre wird schätzungsweise auf 12 % anwachsen – vor gut 100 Jahren betrug er gerade mal ein halbes Prozent. Alte Menschen sind also eine große Bevölkerungsgruppe, die weiter wachsen wird. Diese tiefgreifende Änderung der Bevölkerungsstruktur bedeutet eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft auf soziokultureller, ethischer, medizinischer, politischer und wirtschaftlicher Ebene.

Veränderungen im Alter

Das Altern geht mit einer Reihe von Veränderungen einher. Dies umfassen Körper und Psyche, aber auch Aktivität und soziales Umfeld. Der Organismus unterliegt genetisch festgelegten Alterungsprozessen, die von Organ zu Organ, aber auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich verlaufen und durch äußere Faktoren beeinflusst werden. Die Stoffwechseltätigkeit verlangsamt sich, Muskelmasse, Körperflüssigkeit und Temperaturregulation nehmen ab, die Körperfettmasse nimmt zu. Deshalb kühlen ältere Menschen eher unbemerkt aus und die Medikamentendosierung muss evtl. angepasst werden. Sehkraft und Hörleistung lassen nach, was nicht unerheblich ist für die Kommunikation, die Kontrolle der Bewegungen und anderen Fähigkeiten, die für die Bewältigung des Alltags wichtig sind. Veränderungen im Herz-Kreislauf-System umfassen Blutdruckregulation, Herzschlagvolumen und Elastizität der Blutgefäße; Lunge und Brustkorb werden steifer. Veränderungen des Bewegungsapparates machen sich häufig subjektiv stark bemerkbar: Da Knochendichte, Gelenkbeweglichkeit und Dehnbarkeit von Muskeln, Bändern und Sehnen abnehmen, sinken Beweglichkeit und Kraft, und das Risiko für Knochenbrüche steigt. Der Zahnverlust führt zu Kauproblemen, häufig nimmt der Appetit ab und die Speicheldrüsen produzieren weniger Sekret. Damit besteht die Gefahr der Mangel- oder Fehlernährung. Ältere Menschen leiden häufig an Verstopfung, die durch die eingeschränkte Mobilität verstärkt wird. Veränderungen im Urogenitaltrakt führen zu Problemen beim Wasserlassen oder zur Inkontinenz, manche Medikamente werden schlechter ausgeschieden und es besteht die Gefahr der Austrocknung. Durch die Veränderung der Haut kommt es nicht nur zur Faltenbildung, sondern nicht selten auch zu Wundheilungsstörungen. Häufig leiden ältere Menschen an Schlafstörungen.

Diese Funktionseinbußen sind noch nicht als Krankheit zu werten, können aber die Anfälligkeit für Erkrankungen erhöhen, deren Ausprägung verstärken oder deren Heilung verzögern. Außerdem erschweren sie es dem älteren Menschen, seinen Alltag zu bewältigen. Sie beschränken seine Mobilität und Aktivität, verschlechtern die Kommunikation und verursachen evtl. Beschwerden.

Krankheit und Pflegebedürftigkeit

Alter ist nicht gleichbedeutend mit Kranksein. Allerdings sinken durch die Alterungsvorgänge körperliche Reserven, Anpassungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit, wodurch sich das Erkrankungsrisiko erhöht. Charakteristisch für den älteren Menschen ist das Problem der Multimorbidität, d. h. das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer Krankheiten. Häufig kommen bei Älteren Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Lungenentzündung und chronische Bronchitis, Zuckerkrankheit, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Demenz, Blutarmut, Depression, Krebs und Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Arthrose oder Osteoporose vor.

Die Wahrscheinlichkeit für Multimorbidität steigt mit zunehmendem Alter. Damit sind nicht nur das subjektive Wohlbefinden und die körperliche Konstitution bis hin zu Behinderung und Pflegebedürftigkeit beeinträchtigt, sondern diese Tatsache birgt auch diagnostische und therapeutische Konsequenzen. So vermindert sich z. T. das Spektrum möglicher Arzneimittel und die Komplikationsrate bei operativen Eingriffen steigt. Die Patienten müssen nicht selten eine ganze Reihe von Tabletten schlucken oder ihre Ernährung anpassen. Zunehmendes Problem im Alter sind auch Verwirrtheitszustände, die z. B. Folge von Austrocknung, Stoffwechselstörungen wie Zuckerkrankheit, falscher Tabletteneinnahme oder Durchblutungsstörungen sein können und wiederum weitere Probleme wie Stürze nach sich ziehen können.

Lebensqualität und -erwartung multimorbider Patienten haben sich dank medizinischer Fortschritte in den letzten Jahren stark gebessert. Trotzdem oder gerade deshalb gewinnt der Aspekt der professionellen Altenpflege zunehmend an Bedeutung, zumal in den Familienstrukturen dazu oft nicht mehr die Möglichkeiten bestehen. Die Anzahl pflegebedürftiger Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes lag in Deutschland laut Statistischem Bundesamt Ende 2003 bei 2,08 Mill. Menschen, wobei davon 81 %, also knapp 1,7 Mill. über 64 Jahre alt waren. Etwa zwei Drittel der Pflegebedürftigen waren Frauen. Noch wurden mehr als zwei Drittel zu Hause versorgt, die meisten davon mit Unterstützung von Familienangehörigen. Allerdings sind diese Zahlen rückläufig. Der Trend geht zur professionellen Pflege – die Zahl der durch ambulante Pflegedienste betreuten Pflegebedürftigen stieg im Vergleich zum Jahr 2001 um 3,6 %, die der stationär in Pflegeheimen betreuten um 5,9 %.

Kompetenzen im Alter

Lebenszufriedenheit, Aktivität, Selbstverantwortung und Gesundheit im Alter hängen von verschiedenen Formen der Kompetenz ab. Die körperliche Kompetenz umfasst die körperliche Leistungsfähigkeit, Mobilität sowie die Funktionstüchtigkeit der sensorischen Organe. Aufgrund der Alterungsprozesse reduzieren sich Anpassungsleistung und Widerstandsfähigkeit des Organismus, was wiederum das Risiko erhöht, krank zu werden und funktionale Einbußen zu erleiden. Allerdings variiert das Ausmaß von Mensch zu Mensch in Abhängigkeit von genetischen Faktoren, Grad der körperlichen Aktivität, Risikofaktoren und Krankheiten erheblich. Körperliche Kompetenz ist ein wichtiger Faktor für Selbstständigkeit bzw. Pflegebedürftigkeit, aber auch für Zufriedenheit.

Die alltagspraktische Kompetenz ist eine Voraussetzung dafür, dass der alternde Mensch die Anforderungen des Alltags bewältigt und sich diesen individuell gestalten kann. Neben einfachen Aktivitäten wie Selbstpflege und Einkaufen sind auch erweiterte Kompetenzen wie handwerkliche Tätigkeiten, soziale und Freizeitaktivitäten von großer Bedeutung für ein selbstbestimmtes Leben.

Auch die psychische Kompetenz ist ein wichtiger Faktor, damit der Mensch das Alter als positive Aufgabe versteht und sich ihren Anforderungen stellen kann. Nur wer das Älterwerden als Chance begreift und in ihm einen Lebensabschnitt sieht, der mit neuen Aufgaben und Erfahrungen verbunden ist, kann sich auch mit den Belastungen und Einschränkungen des Alters konstruktiv auseinander setzen. Neben gesundheitlichen Problemen sind auch soziale Einbußen, der Verlust nahe stehender Menschen, Angst vor Schmerzen und das Bewusstwerden, dass die Lebenszeit begrenzt ist, Schwierigkeiten, mit denen sich der ältere Mensch auseinandersetzen muss. Nicht allen gelingt dies – etwa jeder Zehnte der über 65-Jährigen leidet an einer schweren Depression, bei weiteren 15 % werden leichtere depressive Störungen diagnostiziert. Nicht selten ein Teufelskreis, der aus sozialem Rückzug und Vereinsamung, körperlichen Symptomen und Pflegebedürftigkeit besteht und in einem Suizid münden kann. Bei den 70- bis 80-jährigen Frauen kommen 25 Suizide auf 100 000 Einwohner, bei den Männern 70; mit zunehmendem Alter steigt die Selbstmordrate an.

Wichtig ist auch die geistige Leistungsfähigkeit, also kognitive Kompetenz. Diese ist Voraussetzung dafür, Strategien zur Bewältigung von Alltagsproblemen zu entwickeln und auch in ungewohnten Situationen Lösungen zu finden. Nur so lässt sich die Selbstständigkeit bin ins höhere Alter erhalten

Gesundes Altern

Älterwerden beginnt bereits in der Jugend. Lebenseinstellung und -stil, Lernverhalten, soziales Umfeld, Vorsorgemaßnahmen – eine ganze Reihe von Faktoren stellen in jüngerem Alter die Weichen dafür, wie gut der Mensch auch in späteren Jahren sein Leben meistert und wie gesund er bleibt. Körperliche, geistige und soziale Aktivität in jedem Alter sind Grundvoraussetzungen, auch in hohem Alter gesund, leistungsfähig und selbstständig zu sein. Ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und gesundheitsbewusstes Verhalten mit Vermeiden von Nikotin und anderen Suchtmitteln minimieren das Risiko für Übergewicht und Wohlstandskrankheiten wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder Fettstoffwechselstörungen und beugen auch Alterungserscheinungen z. B. des Bewegungsapparates vor. Studien haben auch gezeigt, dass Menschen, die sich in den mittleren Lebensjahren stark körperlich und geistig betätigten, ein geringeres Risiko haben, später an Alzheimer-Demenz zu erkranken. Wichtig ist es auch, sich frühzeitig und regelmäßig Krebs- und anderen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen.

Aber auch das mentale Vorbereiten auf das Alter ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dieses als positive Lebensphase zu erleben. Anstehende Veränderungen wie der Eintritt ins Rentenalter sollten vorab durchdacht, der Alltag neu strukturiert und genutzt werden. Das Wohnumfeld sollte so gestaltet werden, dass es auch mit körperlichen Einschränkungen ein selbstbestimmten Leben ermöglicht. Sexualität und Zärtlichkeit sind im Alter genauso wichtig wie in früheren Jahren; sie stimulieren Aktivität und Lebenswillen.

Zwar lassen manche Hirnleistungen im Alter nach, z. B. diejenigen, die von der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und dem Kurzzeitgedächtnis abhängen. So dauert es häufig länger, Dinge zu verstehen oder wahrzunehmen, meist zusätzlich erschwert durch nachlassende Seh- und Hörleistung. Dafür sind andere geistige Fähigkeiten genauso gut oder besser, da sich Erfahrung und Wissen angesammelt haben, auf die zurückgegriffen werden kann.

Das Gehirn kann und sollte bis ins hohe Alter regelmäßig trainiert werden. Es wird damit angeregt, immer wieder neue Vernetzungen zwischen den einzelnen Hirnzellen zu bilden. Nicht nur Denksportaufgaben, das Erlernen neuer Hobbys oder Sprachen tragen dazu bei, die Denk- und Gedächtnisleistung zu erhalten oder sogar zu steigern, sondern auch Abwechslung von der Routine im Alltag und soziale Kontakte sind enorm wichtig. So zeigten Studien, dass bereits regelmäßige Gespräche mit Nachbarn und Freunden geistig fit halten. Viele ältere Menschen engagieren sich auch in ehrenamtlicher Arbeit. Dies unterstützt nicht nur das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und gebraucht zu werden, sondern trainiert Kompetenzen wie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit.



Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.04.2011

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Medíkamente

 Wechselwirkungs-Check

Alle Krankheiten von A bis Z

Leicht verständliche Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie von über 700 Krankheiten – alphabetisch sortiert von A wie Allergie bis Z wie Zahnfleischentzündung  »

Experten-Sprechstunde

Kompaktes Expertenwissen in über 1000 Fragen und Antworten: Unsere aktuelle Rubrik "Experten-Sprechstunde" bietet Informationen aus erster Hand zu den Gesundheitsproblemen unserer Zeit »

Symptome

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts »

Laborwerte

Von CRP über TSH bis PSA – hier können Sie nachlesen, was häufige Abkürzungen und Fremdwörter in Ihrem Laborbericht bedeuten »

Diagnose-Vefahren

EKG, CT, MRT: Was verbirgt sich hinter solchen Kürzeln? medizinische Untersuchungen einfach erklärt – von Röntgen bis Herzkatheter »

Therapien von A bis Z

Von Chemotherapie über Logopädie bis Akupunktur: Wichtige Behandlungsverfahren im Überblick »

Laborwerte

Von CRP über TSH bis PSA – hier können Sie nachlesen, was häufige Abkürzungen und Fremdwörter in Ihrem Laborbericht bedeuten »

Das Heilpflanzen-Lexikon

Hier finden Sie einen Überblick über wichtige Arzneipflanzen von A bis Z »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung