Anmelden | Registrieren
Drucken

Anaphylaktischer Schock: Der allergische Extremfall

Unvorhersehbar und sehr gefährlich – der anaphylaktische Schock ist die maximale Variante einer allergischen Reaktion. Schnelles und richtiges Handeln ist hier entscheidend.


Erdnüsse oder Bienenstiche können Auslöser eines anaphylaktischen Schocks sein.

Der Klassiker, den man auch aus diversen Hollywoodfilmen kennt, ist der Schockzustand auf die Sagen umwobene Erdnuss: Sie wird verzehrt und plötzlich ringt der Nuss-Esser nach Luft, aus dem Nichts bilden sich juckende Quaddeln. Die Erdnuss hat einen anaphylaktischen Schock ausgelöst. Im Kino gehen solche Szenen meistens gut aus. Im wirklichen Leben sollte man genau wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist, damit es auch hier ein positives Ende nimmt.

Der anaphylaktische Schock ist die schwerste aller allergischen Reaktionen und kann Auswirkungen auf den gesamten menschlichen Organismus haben. Eigentlich passiert dabei nichts anderes als bei einer herkömmlichen allergischen Reaktion: Es kommt nach der Sensibilisierung durch den Erstkontakt mit dem Allergen bei einem wiederholten Kontakt zu einer Sofortreaktion. Beim allergischen Schock wird der Botenstoff Histamin allerdings in großer Menge freigesetzt. Dies kann zu einer sofortigen Erweiterung der Blutgefäße und einem gravierenden Abfall des Blutdrucks führen. Im schlimmsten Fall führt er zum Tod.


Symptome

„Offiziell wird der anaphylaktische Schock in vier Schweregrade eingeteilt,“ erklärt Dr. Juliane Habig, Fachärztin mit Spezialgebiet Allergologie in München. „Diese reichen von der leichten Allgemeinreaktion wie Kopfschmerzen oder Quaddelbildungen bis hin zum vitalen Organversagen.“ Habig betont aber, „dass diese vier Stufen nicht zwingend hintereinander stattfinden müssen.“ Aus diesem Grund ist bereits beim Auftreten der ersten Symptome große Vorsicht geboten. Oft gilt: Je rascher die ersten Anzeichen nach dem Kontakt mit dem Allergen auftreten, umso gefährlicher ist es für den Betroffenen.  

Die häufigsten Symptome sind:

  • Quaddelbildung, Rötungen oder Schwellungen der Haut
  • Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Atemnot
  • Pulsveränderungen (beschleunigt oder verlangsamt)
  • Harn- und Stuhlabgang
  • Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Atem- und Kreislaufstillstand


Bei manchen Menschen kann die anaphylaktische Reaktion lediglich eine vorübergehende Atemnot hervorrufen, bei anderen bricht innerhalb von Minuten der komplette Organismus zusammen. Die Allergologin warnt deshalb auch bei scheinbar harmlosen ersten Anzeichen: „Die Symptome können sehr, sehr unterschiedlich sein". Lokale Reaktionen an der Haut können schnell wieder vorbeigehen. Aber man sollte auch bei kleinen Reaktionen auf der Hut sein. Augentränen, Unruhe, Juckreiz und vor allem ein kribbelndes Gefühl in Händen und Füßen können Alarmzeichen sein.

Auslöser

„Die häufigsten Ursachen für einen anaphylaktischen Schock“, so Habig, „sind Medikamente, Nahrungsmittel und Insektengifte, aber auch Latex oder Aeroallergene wie Pollen können Auslöser sein.“ Bei Medikamenten ist vor allem die anaphylaktische Reaktion auf Penicillin bekannt. Aber auch bestimmte Rheumamedikamente oder Röntgenkontrastmittel lösen mitunter diese heftigen Folgen aus. Auslöser bei Schockreaktionen auf Nahrungsmittel sind meist Stoffe in den bereits erwähnten Erdnüssen oder in Meeresfrüchten, Hühnereiern und Sellerie. Bei den Insekten sind es vor allem Stiche von Bienen und Wespen, die diesen Zustand hervorrufen können.

Behandlung

Ein schnelles und entschiedenes Handeln ist bei den ersten Schockanzeichen sehr wichtig. Sollte man in einer Situation mit der typischen Symptomatik alleine sein, darf man erst recht kein Risiko eingehen. Es gilt: Umgehend den Notarzt rufen!

Erste Hilfemaßnahmen sind neben der Entfernung des mutmaßlichen Auslösers (beispielsweise des Bienenstachels) auch das Einnehmen der Schocklage (hinlegen und Beine hoch lagern), damit man Kreislaufprobleme in den Griff bekommt. Die Behandlung des Arztes erfolgt individuell. Während bei einem Schock ersten Schweregrades ein Antihistaminikum ausreicht, muss der Arzt bei schwerwiegenderen Zuständen Adrenalin intravenös verabreichen. Dieses verengt mit sofortiger Wirkung die Blutgefäße, lässt die Schleimhäute abschwellen und steigert wieder die Herz-Kreislauf-Funkion. Zusätzlich verabreichte Infusionen stellen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicher und Kortison dämmt die allergische Reaktion ein.

Vorsorge

Nach einem solchen Vorfall sollte man unter allen Umständen einen klärenden Allergietest beim Arzt machen, um die Ursache herauszufinden. Das ist die Voraussetzung, um einen erneuten Schockzustand zu vermeiden. Bei einer Insektengiftallergie kann man eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) vornehmen. Bei Medikamenten oder Nahrungsmitteln hilft nur: den Allergenen tunlichst aus dem Weg gehen. Vorsorglich sollte man sich mit einem Notfallset ausrüsten. „Dieses besteht aus einem Antihistaminikum, welches die Histaminausschüttung blockt,“ erklärt Juliane Habig, „und einem Kortisonpräparat. Ich empfehle das in flüssiger Form. Denn wenn der Hals zugeht, bekommt man oftmals keine Tablette mehr runter". Außerdem enthält das Notfallset einen Adrenalin-Autoinjektor, den man aber nur nach einer richtigen Schulung anwenden kann, um sich dann im Ernstfall selbst behandeln zu können.



Sandra Schmid / www.apotheken-umschau.de; 21.03.2011, aktualisiert am 06.04.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Hausstaubmilbenallergie

Haben Sie eine Allergie gegen Hausstaubmilben? Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie der Arzt dies nachweist, ob sich eine Hyposensibilisierung als Therapie eignet und wie Sie vorbeugen können »

Nickelallergie

Hautrötungen und Juckreiz können Symptome einer Nickelallergie sein. Nickel steckt oft in Schmuck, Gürtelschnallen oder im Brillengestell. Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie »

Spezials zum Thema

Allergie: Wenn die Leibgarde verrückt spielt

Wenn unser körpereigenes Abwehrsystem überempfindlich reagiert, können unter anderem Heuschnupfen, Lebensmittelallergien oder Asthma die Folge sein »

Wie oft grillen Sie in den Sommermonaten?

Sudoku

Die beliebte japanische Knobelei in unendlichen Variationen hier online spielen »

Memo-Spiele

Unsere Kartenaufdeck-Spiele, das ähnlich wie das klassische Memory® funktioniert »

Medikamentencheck

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneien überprüfen »

Vorsorge-Rechner

Welche Vorsorgeuntersuchung können Sie wann in Anspruch nehmen? Unser Rechner sagt es Ihnen »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung