Allergischer Schock: Was tun?

Nahrungsmittel, Medikamente und Insektenstiche sind die häufigsten Ursachen für einen anaphylaktischen Schock. Wie Sie sich im Ernstfall richtig verhalten

von Dr. Katharina Kremser, 12.04.2016

Typische Allergieauslöser: Erdnüsse, Wespenstiche und Arzneimittel

W&B/Brigitte Sporrer, istock/AMC, Shutterstock

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Was ist ein anaphylaktischer Schock?

 

Der anaphylaktische Schock ist eine schwere Form der allergischen Reaktion, die den ganzen Körper erfassen und tödlich enden kann. "Entscheidend ist, dass dabei nicht nur die Haut betroffen ist und zum Beispiel mit Juckreiz reagiert, sondern daneben auch noch mindestens ein anderes Organsystem beteiligt ist", sagt Professor Dr. Margitta Worm, Leiterin der Hochschulambulanz der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin. Es liegt also zum Beispiel zusätzlich Atemnot, Schwindel oder Übelkeit vor. Bei solch schweren allergischen Reaktionen lässt sich schlecht vorhersagen, wie sich die Symptome entwickeln und ob eine im Moment noch harmlos erscheinende Situation bereits wenige Minuten später lebensbedrohlich wird. Daher im Zweifel immer die 112 wählen und den Rettungsdienst alarmieren.


Quaddeln sind kleine flüssigkeitsgefüllte Blasen

Fotolia/Jürgen Flächle

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Schweregrade der anaphylaktischen Reaktion

 

Man unterscheidet vier Schweregrade: 

  1. Nur die Haut ist betroffen. Symptome sind beispielsweise Juckreiz, Hautrötung und -schwellung, Bildung von Quaddeln (kleinen flüssigkeitsgefüllten Blasen)
  2. Haut und Schleimhaut – zum Beispiel von Atemwegen oder Magen-Darm-Trakt – sind betroffen. Anzeichen sind neben den Hautsymptomen zum Beispiel Erbrechen, Übelkeit, laufende Nase, Heiserkeit, Atemnot, Bauchkrämpfe
  3. Schockreaktion. Symptome können sein: Schwindel, blau anlaufen, Stuhlabgang, Kreislaufkollaps, Bewusstlosigkeit
  4. Atem- oder Kreislaufstillstand

In Deutschland sind die häufigsten Ursachen für einen anaphylaktischen Schock bei Erwachsenen allergische Reaktionen auf Insektengift und Medikamente, bei Kindern auf Nahrungsmittel und Insektengifte.


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Woran erkenne ich einen anaphylaktischen Schock?

 

"Allergiker kennen die Symptome meist schon und wissen, worauf sie reagiert haben", betont Margitta Worm. War bisher keine Allergie bekannt, sollte man Verdacht schöpfen, wenn 

  1. eine Reaktion sehr plötzlich eintritt, insbesondere nach einem Insektenstich, der Einnahme von Medikamenten oder aber dem Essen und
  2. neben Hautbeschwerden wie Hautjucken, -rötung, -schwellung und Quaddelbildung auch andere Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust auftreten.

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Erste Hilfe bei einem allergischen Schock

Ist der Betroffene ansprechbar, zuerst danach fragen, ob ein Notfallset vorhanden ist.  

a) Person ist nicht ansprechbar oder hat keine bekannte Allergie und daher kein Notfallset

Hat der Betroffene kein Notfallset, zum Beispiel, weil bisher gar keine Allergie bekannt war oder ist er bewusstlos, sollten Sie als erstes den Rettungsdienst alarmieren. Einzige Ausnahme: "Ist ein Arzt, am besten ein Allgemeinarzt, Internist oder Allergologe unmittelbar in der Nähe und hat der Betroffene ausschließlich leichte Symptome wie Übelkeit und Hautjucken können Sie mit ihm auch unverzüglich diesen Arzt aufsuchen", sagt Margitta Worm. "Wichtig ist, dass das rasch geschieht, denn es sind Medikamente erforderlich!"

Bei schwereren Reaktionen, insbesondere bei Luftnot oder Kreislaufproblemen, unbedingt die 112 anrufen und dem Rettungsdienst mitteilen, dass vermutlich ein allergischer Schock vorliegt.

Bei der betroffenen Person bleiben, sie beruhigen und gegebenenfalls entsprechend der Symptome lagern:

  • Bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen.
  • Bei Atemnot zum Beispiel hinsetzen, am besten mit nach hinten abgestützten Armen, das erleichtert es, Luft zu holen.
  • Bei Kreislaufproblemen wie Schwindel hinlegen und Beine hochlagern. 

Achtung: Bei Atem- oder Herzkreislaufstillstand unverzüglich mit der Wiederbelebung beginnen!

b) Person ist ansprechbar, ein Notfallset ist vorhanden

Bei Atemnot oder Herz-Kreislaufproblemen sofort den Notarzt alarmieren. Anschließend den Allergiker beruhigen und ihm gegebenenfalls dabei helfen, das Notfallset (mehr dazu im nächsten Abschnitt) entsprechend den Anweisungen seines Arztes anzuwenden. Ist nur die Haut betroffen, reicht es in der Regel, wenn er das im Set enthaltene Antihistaminikum und das Kortisonpräparat einnimmt. In allen anderen Fällen ist meist auch eine Adrenalinspritze notwendig. Diese kann sich der Patient selbst verabreichen. "Ist er dazu nicht mehr in der Lage und kennt der Helfer den Betroffenen und weiß um seine Allergie sowie um die korrekte Anwendung der Notfallspritze, kann er die Spritze gegebenenfalls auch geben", meint Margitta Worm. Anschließend den Betroffenen nicht alleine lassen, sondern weiter beobachten. Entsprechend der Symptome lagern und entweder mit ihm einen Arzt aufsuchen oder aber, sofern sich die Beschwerden verschlimmern oder nicht innerhalb von kurzer Zeit bessern, die 112 anrufen.


Kostenloser Download (PDF)

Unser pdf gibt Ihnen einen Überblick dazu, wie Sie im Notfall vorgehen sollten:

Notfallplan "Erste Hilfe bei anaphylaktischem Schock"

Allergieset: Antihistaminikum, Kortisonpräparat, Adrenalinpen und ein Spray gegen Atemnot

W&B/Marcel Weber

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Wichtig für Allergiker: Notfallset

 

Allergikern, bei denen schon einmal eine anaphylaktische Reaktion aufgetreten ist, verordnet der Arzt ein sogenanntes Notfallset. Es enthält üblicherweise ein antiallergisches Mittel (Antihistaminikum), ein Kortisonpräparat sowie eine Adrenalin-Spritze. Daneben kann es ein Spray enthalten, das hilft, Luftnot zu lindern. Wer ein Notfallset bekommt, sollte sich die Anwendung genau erklären und in einem Allergiepass dokumentieren lassen. Gegebenenfalls sollte man auch nahe Angehörige und Verwandte in die Verwendung des Sets einweisen. Das Notfallset sollten Betroffene immer bei sich tragen. Dabei unbedingt auf die Lagerungshinweise und die Ablaufdaten der enthaltenen Medikamente achten und sich diese gegebenenfalls rechtzeitig neu verordnen lassen. Margitta Worm rät: "Immer, wenn das Notfallset benötigt wurde, sollte man anschließend einen Arzt aufsuchen, um sich unverzüglich neue Medikamente verschreiben zu lassen." So sind Allergiker stets für den Extremfall gerüstet.




Bildnachweis: Fotolia/Jürgen Flächle, W&B/Brigitte Sporrer, istock/AMC, Shutterstock, W&B/Ramona Blättner, W&B/Marcel Weber

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