Wärmt Glühwein wirklich?

Es ist kalt, der Glühwein warm. Außerdem gehört eine Tasse zum Weihnachtsmarkt dazu. Doch Experten sagen: Das wohlige Gefühl ist trügerisch

von Dr. Martina Melzer, 19.12.2015

Wer friert, greift gerne zu warmen Getränken

Glow Images/Cultura

Wer über einen Weihnachtsmarkt schlendert, geht selten ohne einen Schluck Glühwein heim. Schließlich ist es kalt und das heiße Getränk wärmt einen – so empfinden wir es zumindest. Ärzte behaupten allerdings, dies sei ein Trugschluss. Der Alkohol entziehe dem Körper vielmehr die ersehnte Wärme. Was stimmt nun eigentlich?

"Alkohol erzeugt ein subjektives Wärmegefühl", erklärt Professor Norbert Wodarz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Chefarzt des Zentrums für Suchtmedizin am Bezirksklinikum Regensburg. Alkohol bewirkt, dass sich die Gefäße weit stellen. Dadurch werden unter anderem Hände und Gesicht stärker durchblutet und es stellt sich ein wohliges Wärmegefühl ein. Dadurch, dass wir Glühwein heiß trinken, verstärkt sich dieses Gefühl noch.


Herr Prof. Norbert Wodarz

Unser Experte: Professor Norbert Wodarz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

© Juliane Zitzlsperger

Trügerische Wärme

Trotzdem sagt Wodarz: "Nach dem anfänglichen Wärmegefühl kühlt Alkohol den Körper aus." Normalerweise steuert der Organismus seinen Temperaturhaushalt über ausgeklügelte Regelkreise. Sobald wir zu viel Wärme verlieren, verengen sich die Gefäße in der Haut. "Alkohol hebelt diese Gegenregulation aus", erläutert Suchtmediziner Wodarz. Das heißt: Die Adern bleiben nach entsprechenden Mengen Alkohol womöglich weit gestellt, obwohl die Körpertemperatur bereits leicht sinkt. "Dieser Effekt bleibt so lange erhalten, wie sich der Alkohol im Blut befindet", sagt der Experte.

Wer auf einem Christkindlmarkt ein Glas Glühwein schlürft, sich danach aber wieder ins Warme begibt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Gefährlich kann es werden, wenn wir uns am Alkohol berauschen – egal ob heiß oder kalt getrunken. Wer sich dann im Winter im Freien aufhält, womöglich noch zu dünn bekleidet, der bemerkt nicht, dass er auskühlt. Das kann unter Umständen eine Erkältung begünstigen. Eine Unterkühlung kann im schlimmsten Fall sogar tödlich enden: "Für obdachlose Menschen, die betrunken in der Kälte übernachten, kann dies beispielsweise lebensgefährlich werden", erläutert der Arzt.

Tee besser als Glühwein

Besser als ein Glas Glühwein ist daher ein Fruchtpunsch oder ein Tee. Die heißen – aber alkoholfreien – Getränke führen ebenfalls dazu, dass sich die Gefäße entspannen und es uns warm ums Herz wird. "Hier funktioniert jedoch die natürliche Gegenregulation des Körpers", so Wodarz. Geht nach einer Weile Wärme verloren, ziehen sich die Adern zusammen und wir bewahren unsere Körpertemperatur.



Bildnachweis: Glow Images/Cultura, © Juliane Zitzlsperger

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