Absolute Abstinenz: Das erfordert große Willensstärke von ehemals abhängigen Personen
Schwerpunkt der Therapie von Alkoholabhängigen ist es, ihre dauerhafte Abstinenz zu erreichen. Versuche, den Betroffenen ein kontrolliertes Trinken anzugewöhnen, scheitern fast immer.
Die medizinische Betreuung alkoholbedingter Beschwerden und Erkrankungen erfolgt meist durch niedergelassene Ärzte oder stationär im Krankenhaus.
Bei der Behandlung der Alkoholsucht selbst werden mehrere Phasen unterschieden. Die erforderlichen Therapiemaßnahmen erfolgen im allgemeinen entweder ambulant oder stationär. Je nach Symptomatik und dem Willen zur Mitarbeit werden Beratung und Therapie auch durch Selbsthilfeeinrichtungen oder Beratungsstellen geleistet. Im Idealfall ergänzen sich verschiedene Therapieeinrichtungen.
Gerade in Krisensituationen ist die Rückfallgefahr für die Betroffenen groß. Dann ist es besonders wichtig, dass sie von Angehörigen, Therapeuten und Selbsthilfegruppen Unterstützung erfahren. Insgesamt ist es sehr schwierig bis unmöglich, eine Prognose über den Erfolg der Therapie abzugeben, da der Verlauf im einzelnen immer sehr unterschiedlich und kaum vorhersehbar ist.
Entzug: Weil es zu Komplikationen kommen kann, erfolgt diese Phase der Therapie üblicherweise in der Klinik
Die Therapiephasen
Grundsätzlich werden vier Therapiephasen unterschieden. In jeder Phase wird versucht, die Behandlung der individuellen Situation des Betroffenen anzupassen.
• Kontaktphase: Die Betroffenen nehmen Kontakt zu Beratungsstellen oder einem Arzt auf. Sie – und möglichst auch ihre Angehörigen – werden ausführlich informiert. Wichtig ist es in dieser Phase, das Trinkverhalten des Abhängigen klar als Problem zu deklarieren und ihn zu motivieren, selbst an der Lösung mitzuarbeiten, also Verantwortung zu übernehmen.
• Entzugsphase: Zunächst muss der Patient vom Alkohol entwöhnt werden. Steht der Suchtstoff dem Körper nicht mehr zur Verfügung, sind körperliche (zum Beispiel Verwirrtheit, Schwitzen, Zittern, ...) und psychische Entzugserscheinungen (zum Beispiel Gereiztheit) die Folge.
Der Alkoholentzug findet meist im Krankenhaus statt, denn im Rahmen einer schweren Entzugssymptomatik, dem sogenannten Delir, drohen unter anderem Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma, Halluzinationen oder auch Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, die ein sofortiges ärztliches Eingreifen nötig machen können.
• Entwöhnungsphase: Ist der Körper von der Droge Alkohol entgiftet, müssen noch weitere wichtige Hürden genommen werden, um der Alkoholabhängigkeit zu entfliehen. Eine Entwöhnungsbehandlung erfolgt meist über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten in einer Fachklinik, kann aber unter Umständen auch ambulant durchgeführt werden. Der Betroffene muss lernen, den Alltag auch ohne Alkohol wieder zu meistern. Zudem soll sein Wunsch, abstinent zu bleiben, gestärkt und er selbst psychisch soweit gefestigt werden, dass der Abschied vom Alkohohl gelingen kann.
• Nachsorge- und Rehabilitationsphase: Der Übergang von der stationären Behandlung zurück in den Alltag birgt ein hohes Rückfallrisiko. Die Betroffenen werden wieder mit ihren alten Problemen und Ängsten konfrontiert, fühlen sich damit oft überfordert. Experten befürworten deshalb in dieser Phase eine engmaschige ambulante Nachbetreuung. Hierfür kommen Suchtambulanzen, Suchtberatungsstellen oder Fachärzte infrage. Als weiterer wichtiger Baustein gilt die regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen.
Unterstützend können Medikamente eingesetzt werden. Sie sollen das Verlangen nach Alkohol mindern (Acamprosat) beziehungsweise bei Alkoholkonsum unangenehme körperliche Reaktionen auslösen (Disulfiram). Solche Medikamente können Beratung und Therapie jedoch keinesfalls ersetzen, sondern diese lediglich ergänzen.
Stationäre oder ambulante Entwöhnungstherapie?
Stationäre Entwöhnungstherapien werden in speziellen Fachkliniken durchgeführt. Die Therapiemaßnahmen finden häufig in Gruppen statt. Diverse psycho- und sozialtherapeutische Verfahren kommen hier zur Anwendung. Dazu zählen unter anderem Entspannungstechniken, Partner- und Familien- oder Bewegungstherapie.
Ambulante Entwöhnungstherapien werden erst seit 1991 vermehrt angeboten. Teilnehmer an ambulanten Maßnahmen müssen bereit und fähig sein, Abstinenz zu üben und ihren Therapieplan einzuhalten. Ein intaktes und unterstützendes soziales Umfeld ist dabei von großem Vorteil. Leiden Betroffene bereits an schweren körperlichen oder psychischen Bergleiterkrankungen, sind ambulante Therapien nicht angezeigt.
Einen Rückfall vermeiden
Es gibt bestimmte Lebenssituationen, die alkoholgefährdete Menschen vor besondere Herausforderungen stellen. Dazu zählen:
• Situationen in denen Alkohol leicht verfügbar ist, also zum Beispiel in Gaststätten oder auf Feiern
• Situationen, in denen die Gefahr besteht, dass in alte Gewohnheiten zurückgefallen wird: Also etwa die Lust auf das gewohnte Bier am Feierabend
• Wenn es Stress mit dem Partner gibt
• Wenn andere Situationen psychischen Druck auslösen, wie etwa Ärger am Arbeitsplatz oder enttäuschte Hoffnungen.
• Zu große Selbstsicherheit: Betroffene glauben oft, ein kleines Gläschen zwischendurch könne nicht schaden, gefährde nicht die mühsam erkämpfte Abstinenz. Das ist in vielen Fällen ein Trugschluss und der Beginn des neuerlichen, unkontrollierten Alkoholkonsums.
Angehörige oder Freunde von Alkoholsüchtigen sollten darauf achten, kein Verhalten zu entwickeln, das die Abhängigkeit des Betroffenen eher fördert als überwinden hilft. Dazu gehört der Versuch, dem Alkoholiker alle Probleme abzunehmen, ihn aus der Verantwortung für seine Situation zu entlassen, sein Verhalten zu entschuldigen oder gar zu decken. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Co-Abhängigkeit.
Prognose
Eine klare Prognose für den Erfolg oder Misserfolg einer Entwöhnungstherapie ist nur sehr eingeschränkt möglich, denn zu mannigfaltig sind die individuellen Voraussetzungen jedes Betroffenen. Vor allem spielt eine Rolle, wie stark sein Köper und seine Psyche bereits durch den Alkoholmissbrauch vorgeschädigt sind. Klar ist: Ohne ausreichende eigene Motivation sind die Bemühungen auf Dauer zum Scheitern verurteilt.
Die Abstinenzrate nach stationären Behandlungen ist besser, als allgemein oft angenommen wird, unterliegt aber auch Schwankungen. Eine Übersicht verschiedener Studien zeigt einerseits, dass nach 12 bis 18 Monaten etwa jeder zweite Patient noch abstinent war. Andererseits gibt es Untersuchungen (unter Berücksichtigung auch internationaler Ergebnisse), wonach im längerfristigen Bereich nur noch ein Drittel bis ein Viertel der Betroffenen weiter dem Alkohol entsagte.
www.apotheken-umschau.de;
20.02.2009, aktualisiert am 15.12.2011
Bildnachweis: W&B/Ingram, W&B/Martin Ley, W&B/Martina Ibelherr
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