Kilos weg, Haut bleibt: Was dann hilft

Wer stark abnimmt, kämpft oft mit überschüssiger Haut. Eine straffende Operation erscheint vielen als Ausweg. Aber erfüllt so ein Eingriff auch die hohen Erwartungen?

von Nina Himmer, aktualisiert am 10.03.2016

Befreiung vom alten, dicken Ich: Eine Hautstraffung hilft manchen Patienten dabei

Getty Images/Stone/NisianHughes

Dr. Michael Ruggaber ist Verzweiflung gewohnt. Fast täglich hat der plastische Chirurg am Klinikum Friedrichshafen des Medizin Campus Bodensee mit Patienten zu tun, die nicht mehr weiter wissen. Manche stopfen sich Handtücher in ihre Hautfalten, andere finden keine passende Kleidung, leiden unter Entzündungen, Juckreiz, starkem Körpergeruch oder dem Gefühl, sich im eigenen Leib nicht wohlzufühlen. Dabei haben sie eigentlich meist eine Erfolgsgeschichte hinter sich. "Wer zu uns kommt, hat in der Regel bereits massiv Gewicht verloren. Manchmal weit über 100 Kilogramm", sagt Ruggaber.

Erst die Magenverkleinerung, später zu viel Haut

Solche Menschen haben oft eine bariatrische Operationen zur Reduktion des Körpergewichts hinter sich – etwa eine Magenverkleinerung, einen Magenballon, eine Magenband-, Magenschlauch- oder Magenbypass-Operation. Für extrem Übergewichtige sind solche Eingriffe häufig die einzige effektive Möglichkeit, Pfunde loszuwerden. Einige verlieren danach in kurzer Zeit sehr viel Gewicht und finden sich schließlich in einer buchstäblich zu groß gewordenen Haut wieder. Natürlich gibt es auch Patienten, die durch die Kombination von Sport- und Ernährungsprogrammen stark abgenommen haben oder nach mehreren Schwangerschaften mit überschüssiger Haut kämpfen. Doch zu einem Schwerpunkt in der plastischen Chirurgie wurden straffende Eingriffe erst durch die Möglichkeiten der bariatrischen Chirurgie.


Wie auch immer die Kilos purzeln – was viele einst Übergewichtige eint, ist folgendes Problem: Das Fett ist weg, doch die Haut bleibt. Starkes Übergewicht dehnt unsere Körperhülle nämlich so weit, dass ihr Bindegewebe dauerhaft ausleiert und sogar reißen kann. Alter und Veranlagung spielen dabei zwar eine Rolle, doch ab einem bestimmten Punkt sind die Schäden irreparabel. Dann können weder Sport noch Massagen oder kosmetische Behandlungen die Entwicklung rückgängig machen.

Hautfalten entzünden sich oft

"Der Leidensdruck ist enorm", sagt Professor Björn Stark, ärztlicher Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. In schweren Fällen reichen die Fettschürzen am Bauch bis über den Genitalbereich. Auch an Oberarmen, Oberschenkeln und Brüsten hinterlassen die Ex-Kilos oft deutliche Spuren. "Das ist mitnichten nur ein ästhetisches, sondern auch ein medizinisches Problem", sagt Stark. Weil die Hautfalten aufeinander reiben, nässen und entzünden sie sich häufig. In der Folge können Ekzeme oder Pilzinfektionen entstehen, die sich nicht einfach wegcremen lassen.

Außerdem erschwert die überschüssige Haut die Körperhygiene und schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Manchmal so sehr, dass Sport für die Betroffenen unmöglich wird. "Dabei wäre es gerade für übergewichtige Menschen wichtig, sich zu bewegen, damit sie weiter abnehmen oder ihr neues Gewicht halten können", sagt Stark. Die ausgeleierte Haut ist überdies oft eine psychische Belastung. "Viele meiner Patienten schämen sich, gehen kaum in die Öffentlichkeit und leiden unter depressiven Verstimmungen", sagt Ruggaber.

Kein Super-Körper, aber ein normaler

Ihnen können die Ärzte durch körperformende, chirurgische Eingriffe helfen. Dabei wird die überschüssige Haut in einem operativen Eingriff zu großen Teilen entfernt, gestrafft und so vernäht, dass wieder eine normale Körper-Silhouette entsteht. Am häufigsten lassen sich Betroffene an Bauch, Oberschenkeln, Flanken, Brust oder Gesäß in Form bringen. "Mitunter bietet es sich an, Eingriffe zu kombinieren – etwa an Oberarmen und Brust oder an Bauch und Oberschenkeln", erklärt Stark. Das sogenannte "Bodylift" etwa sieht eine Kombination vor: Dabei werden mit einem einzigen Eingriff Bauchdecke, Gesäß, Flanken und mitunter auch die Oberschenkel korrigiert. "Ob Körperregionen einzeln oder gemeinsam operiert werden, hängt immer vom Einzelfall ab", sagt Ruggaber. Darum, Super-Körper zu formen, gehe es bei den straffenden Eingriffen nicht. "Unser Ziel ist es, adipösen Patienten nach einem großem Gewichtsverlust wieder ein normales Körpergefühl zu verschaffen", so Ruggaber.

Ohne Narben und OP-Risiken geht es nicht

Die Ergebnisse sind gut, die Eingriffe aber nicht harmlos: "Es ist nicht mit ein bisschen Haut wegschneiden getan", sagt Stark. Mal müsse der Bauchnabel versetzt werden, mal käme es bei den Operationen zu großem Blutverlust. Die durch die Straffung unter Zug stehende Haut muss zudem in mehreren Schichten vernäht werden und die Naht optimal verlaufen, damit die Narben später so unauffällig wie möglich aussehen. Spuren hinterlassen die Eingriffe nämlich in jedem Fall, wenn auch oft versteckt in der Bikinizone oder den Achselhöhlen. In manchen Fällen sind allerdings Nachstraffungen erforderlich, sodass es nicht bei einer Operation bleibt. "Im Prinzip bestehen dieselben Risiken wie bei jeder Operation, etwa durch die Narkose", sagt Facharzt Ruggaber. Der Nutzen sei im Verhältnis zu den Risiken aber aus ärztlicher Sicht gut vertretbar. "Die Perspektive, die Menschen durch die Hautstraffung bekommen, macht Schmerzen, Narben und Risiken in der Regel wett."

Wann die Krankenkasse zahlt

Um das Risiko möglichst gering zu halten, sollten Straffungs-Operationen nur von spezialisierten Fachärzten für Plastische Chirurgie vorgenommen werden. Patienten sollten sich in entsprechenden Zentren oder von Fachärzten erst einmal beraten lassen. Diese können nicht nur überblicken, welche körperliche Veränderung durch den Eingriff realistisch ist, sondern auch, ob er überhaupt sinnvoll ist. Darüber entscheiden zum Beispiel der allgemeine Gesundheitszustand und die Stabilität des aktuellen Gewichts. Fachärzte können außerdem gut einschätzen, wie die Chancen auf eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse stehen. Hier gilt die Faustregel: Geht es nur um die Ästhetik, ist mit einer Absage zu rechnen. Hingegen gibt der von den Kassen beauftragte Medizinische Dienst oft grünes Licht, wenn Patienten aufgrund der überschüssigen Haut gesundheitliche Probleme haben oder im Alltag nicht mehr richtig agieren können.


Was eine Abnehm-Operation für sehr dicke Menschen bedeutet:

Dicke Frau auf der Waage

Chancen und Risiken von Adipositas-OPs »

Magenverkleinerung oder Magenbypass sind oft der letzte Versuch, abzunehmen. Der Eingriff verspricht Erfolg, stellt die Psyche aber auf eine harte Probe »


Bildnachweis: Getty Images/Stone/NisianHughes

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Waage

Adipositas und Esssucht

Bei einem Body-Mass-Index von über 30 wird nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation von Fettleibigkeit (Adipositas) gesprochen »

Haben Sie schon einmal Blut gespendet?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages