Charakteristische Symptome
1) Unaufmerksamkeit
Die Betroffenen haben deutliche Schwierigkeiten, sich über längere Zeit zu konzentrieren, sie sind leicht ablenkbar, machen Flüchtigkeitsfehler, scheinen nicht richtig zuzuhören.
2) Hyperaktivität
Wird auch als hyperkinetische Störung bezeichnet: Das Stillsitzen fällt extrem schwer. Die Kinder und Jugendlichen springen immer wieder auf, rennen, toben, zappeln, können sich kaum einer ruhigen Beschäftigung widmen – auch dann nicht, wenn sie frei bestimmen dürfen, was sie gerne tun möchten.
3) Impulsivität
Die Kinder haben große Probleme abzuwarten. Sie fallen anderen ins Wort oder stören sie.
Typisch ist, dass diese Auffälligkeiten schon vor dem sechsten Lebensjahr auftauchen, dass sie länger als ein halbes Jahr anhalten, wesentlich deutlicher ausgeprägt sind als bei Altersgenossen und zu Problemen oder Konflikten in verschiedenen Lebensbereichen wie Familie, Schule oder Kindergarten führen.
Die genannten Anzeichen müssen jedoch nicht alle gleichermaßen ausgeprägt sein. Die Störung hat "viele Gesichter": In manchen Fällen wirken die Kinder gar nicht unruhig und lebhaft, sondern eher ein wenig verträumt, abwesend oder vergesslich. Diese Form – ohne erkennbare Hyperaktivität – wird Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) genannt. Mädchen scheinen häufiger daran zu leiden als Jungen. Experten vermuten, dass ADS leicht übersehen wird.
Zu ADHS kommen oft weitere Auffälligkeiten wie beispielsweise Tics, eine Lese- und Rechtsschreibschwäche oder eine Störung im Sozialverhalten.
Therapiemöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Symptome und dem Alter des Kindes. Hilfreich ist meistens die individuell passende Mischung aus Beratung, Handlungsstrategien, verhaltenstherapeutischen Methoden und oft auch Medikamenten. Bei letzteren kommt überwiegend der Wirkstoff Methylphenidat zum Einsatz. ADHS verliert sich nicht etwa automatisch mit dem Älterwerden, wie manche Menschen glauben. Nicht selten begleitet die Störung die Betroffenen bis ins Erwachsenenalter.
Schätzungen zufolge haben in Deutschland durchschnittlich rund vier Prozent der Kinder und Jugendlichen ADHS. Die Zahlenangaben variieren allerdings, je nachdem welche Altersgruppe betrachtet wird und welche genauen Diagnosekriterien zugrunde liegen.
Kinder mit ADHS haben es in mancher Hinsicht schwerer. Denn in Schule und Beruf sind oft genau die Fähigkeiten gefragt, mit denen sie "auf Kriegsfuß stehen" – wie Aufmerksamkeit, Sorgfalt oder Konzentration. Keineswegs sind Menschen mit ADHS jedoch faul oder dumm. Viele besitzen sogar besondere Qualitäten, sind zum Beispiel äußerst kreativ, begeisterungsfähig oder erfindungsreich.