Warum Bauchfett ungesund ist

Fettpolster an Hüfte und Po empfinden viele Menschen als Makel. Gefährlicher für die Gesundheit ist aber ein dicker Bauch, sagen Ärzte

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 03.02.2016

Riskanter Umfang: Ein dicker Bauch kann gefährlich werden

Fotolia/Photophonie

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung ist übergewichtig. Das zeigt eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin The Lancet. Laut dem Statistischen Bundesamt ist in Deutschland sogar jeder Zweite zu dick. Übergewicht gilt als ungesund, als Ursache zahlreicher Wohlstandskrankheiten – von Bluthochdruck bis Diabetes mellitus. Vor allem wer überschüssige Fettpolster rund um die Bauchorgane ablagert, steigert wohl sein Risiko für diese Leiden.

Doch woran liegt das? Fragt man Ärzte danach, ist die Antwort meist: "Weil es so stoffwechselaktiv ist." Grundsätzlich gibt es im Körper zwei Arten von Fettgewebe, das subkutane sowie das viszerale. Ersteres ist das Fett, dass von außen zum Beispiel an Po und Hüfte sichtbar ist und sich unter der Haut befindet: das Unterhautfettgewebe. Es dient hauptsächlich als Energiespeicher für schlechte Zeiten, isoliert und hält uns warm. Es ist ein ziemlich passives Gewebe. Auch im Bauchbereich gibt es subkutanes Fett zwischen Haut und Bauchmuskeln. Jedoch deutet ein dicker Bauch in der Regel darauf hin, dass sich auch in der Bauchhöhle rund um die Organe sogenanntes Viszeralfett gebildet hat.


Das größte Drüsenorgan des Körpers

Das Viszeralfett umgibt zum Beispiel Leber und Darm. Dieses salopp als Bauchfett bezeichnete Gewebe ist sehr stoffwechselaktiv. "Es bildet mehr als 200 Botenstoffe und ist das größte Drüsenorgan des Körpers", sagt Professor Peter Schwarz, Diabetologe am Uniklinikum Dresden.

Welche Aufgaben es genau erfüllt und warum es so viele Stoffe absondert, ist noch nicht genau geklärt. "Wahrscheinlich soll es bei Nahrungsknappheit schnell Energie bereitstellen", so Schwarz. "Möglicherweise hat es daneben auch eine immunologische Funktion und dient als Barriere gegenüber Krankheitserregern", erläutert Professor Matthias Blüher, ebenfalls Diabetologe und Leiter der Adipositas-Ambulanz an der Uniklinik Leipzig.


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Warum Bauchfett gefährlich werden kann

Zu den zahlreichen Botenstoffen, die das Bauchfett freisetzt, gehören solche, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken, die Freisetzung des Hormons Insulin beeinflussen und Entzündungen auslösen können. "Je mehr viszerales Fett vorhanden ist, desto mehr bestimmte Botenstoffe werden gebildet", erklärt Schwarz. Ein Übermaß dieser Substanzen kann sich dann – so die Annahme – negativ auswirken. So ließe sich erklären, warum Bauchfett Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes begünstigt, die sogar in einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall münden können.

Vor allem Männer neigen zu Bauchfett und tragen damit das Risiko in sich, durch zu viel viszerales Fett krank zu werden. Vermutlich spielen die Sexualhormone dabei eine Rolle. Während Testosteron eine bauchbetonte Fettverteilung begünstigt, steuert Östrogen diese eher in Richtung Birnenform. Frauen legen deshalb eher an Po und Beinen zu. "Bildet der Körper nach den Wechseljahren weniger Östrogen, nehmen aber auch Frauen bevorzugt am Bauch zu", sagt Blüher. Damit steigt auch bei ihnen potenziell die Gefahr für negative Folgen – nur eben viel später als beim Mann.


Bauchumfang richtig messen: Legen Sie das Maßband in der Mitte zwischen Beckenkamm und Rippenbogen an und ziehen es gerade um den Bauch herum

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Ab wann wird viszerales Fett risikoreich?

Wann die kritische Schwelle erreicht ist, das Bauchfett also gefährlich wird, können Ärzte derzeit nur anhaltsweise abschätzen. Den Body-Mass-Index, kurz BMI, ziehen Blüher und Schwarz als Messgröße eher weniger heran. Denn mit ihm lässt sich ein Mensch zwar in unter-, normal- und übergewichtig einteilen. Wo das Fett aber am Körper sitzt, berücksichtigt der BMI nicht. "Mehr Auskunft über das Bauchfett bekommen wir über den Bauchumfang", sagt Blüher. Ist dieser beim Mann kleiner als 94 Zentimeter und bei der Frau unter 80 Zentimeter, dann gehen Mediziner von einem eher niedrigen Risiko aus. "Liegt der Taillenumfang beim Mann über 102 und bei der Frau über 88 Zentimeter, hat das Bauchfett aber ein kritisches Ausmaß erreicht", erklärt Schwarz.

Eine Studie der US-amerikanischen Mayo Clinic, die im Fachblatt Annals of Internal Medicine erschien, untermauert die Einschätzung der Experten: Wer normalgewichtig ist, aber einen erhöhten Bauchumfang aufweist, hat ein höheres Risiko vorzeitig zu sterben. In der Studie war dies vor allem bei Männern deutlich zu erkennen. Bei Frauen fiel das Ergebnis weniger eindeutig aus.

Den Bauchumfang kann jeder selbst messen: Legen Sie ein Maßband in der Taille an. Genauer gesagt, in der Mitte zwischen Rippen und Beckenknochen. Ziehen Sie das Band gerade um den Bauch herum, atmen Sie aus und notieren Sie den Wert.

Abnehmen: Bauchfett verschwindet als erstes

Wer zu viel Fett im Bauchraum angesammelt hat, sollte sich Gedanken machen, wie er abnehmen könnte. Am besten besprechen Sie das mit Ihrem Arzt. Ermutigend ist: "Bauchfett legt man leicht an, man wird es aber auch schnell wieder los", sagt Schwarz. Da es so stoffwechselaktiv ist, baut der Körper als erstes dieses Fett ab, wenn er Energie benötigt. "Durch körperliche Aktivität kann ein Mann pro Woche 80 bis 120 Gramm Viszeralfett abbauen, das entspricht rund einem Zentimeter Bauchumfang weniger", veranschaulicht Diabetologe Schwarz die Effekte von Bewegung auf das Bauchfett.

Und jeder Zentimeter, jedes Kilogramm zählt. "Haben Sie fünf Kilogramm abgenommen, sinkt Ihr Risiko für Diabetes um 58 Prozent, zeigen Studien", so Blüher. Die Gefahr für Herz-Kreislauf-Krankheiten nehme um gut 30 Prozent ab. Wichtig: Regelmäßig körperlich aktiv sein – Sport treiben, aber auch im Alltag mehr bewegen. Daneben hilft eine ausgewogene nicht zu kalorienreiche Ernährung dabei, abzunehmen.



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