Kalorien in Getränken: Vorsicht, Dickmacher!

Kalorienhaltige Getränke machen nicht satt, aber oft dick. Sie tragen genauso wie Essen zur Kalorienaufnahme bei – im Gegensatz zu fester Nahrung sättigen flüssige Kalorien aber nicht
von Simone Herzner, aktualisiert am 24.04.2017

Limonade enthält zum Teil viel Zucker – und damit auch viele Kalorien

ddp Images/Markus Mainka

Cola, Limo, Saft, Milchkaffee, Cappuccino, Bier, Wein: Die Liste an kalorienhaltigen Getränken ließe sich endlos fortsetzen. Alkoholische Getränke haben besonders viele Kalorien, weil der Alkohol zusätzlich in der Energiebilanz zu Buche schlägt. Außerdem ist ein übermäßiger Alkoholkonsum schlecht für Geist und Körper – aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist: Wer auf seine Figur achten möchte, sollte die Finger von flüssigen Kalorien lassen. Sie tragen entscheidend zur täglichen Kalorienaufnahme bei, ohne satt zu machen.

Flüssigkeiten bleiben nicht lange im Magen

"Entscheidend für die Sättigung ist die Essensmenge und die damit verbundene Dehnung der Magenwand", erklärt Professor Johannes Erdmann, Internist und Leiter der Ernährungsmedizin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Wenn der Bauch voll ist und die Magenwand entsprechend gedehnt, wird der sogenannte Vagus-Nerv gereizt. "Er ist die Verbindung zwischen Magen-Darmtrakt und Gehirn und überträgt den Dehnungsreiz ins Gehirn. In einem Bereich des Zwischenhirns, dem Hypothalamus, werden Botenstoffe freigesetzt, die uns Sättigung signalisieren", sagt Erdmann. Natürlich dehnen auch Flüssigkeiten die Magenwand – aber nur kurz. Flüssiges passiert mit einer Geschwindigkeit von 25 Milliliter pro Minute den Magen. Ein halber Liter ist also innerhalb von 20 Minuten wieder draußen – und dämpft den Appetit für höchstens 30 Minuten.

Das Problem: Nach Genuss von Saft, Limonade & Co. haben wir zwar ordentlich Kalorien aufgenommen. Wir essen zum Ausgleich aber nicht weniger, weil Flüssigkeiten eben nicht satt machen. Problem Nummer zwei: Getränke gehen immer – auch wenn wir pappsatt sind und keine einzige Kalorie in fester Form mehr hinunterbrächten. Erinnern Sie sich nur an die letzte Feier, auf der Sie eingeladen waren: Nach dem festlichen Menü waren Sie satt bis oben hin, aber getrunken – ob Limonade, Wein oder Bier – haben Sie den ganzen Abend.


Flüssige Kalorien sind vielen Menschen nicht bewusst

"Kalorienhaltige Getränke sind schnelle Dickmacher", warnt Erdmann. Den meisten Menschen sei gar nicht bewusst, wie viel Kalorien sie allein durch die Getränke jeden Tag zu sich nehmen.

Zum Beispiel Saft: Das vitaminhaltige Getränk hat einen guten Ruf – aber durch den enthaltenen Fruchtzucker ähnlich viele Kalorien wie zuckerhaltige Limonade und Cola. Oder Milchkaffee: Ein halber Liter Latte Macchiato täglich – zubereitet mit fettarmer Milch (1,5 Prozent) – bringt es auf zusätzliche 200 Kilokalorien. Auf ein ganzes Jahr gerechnet entspricht das unglaublichen 10 Kilogramm Fettgewebe!

"Es gibt viele Menschen, die so viele Kalorien in Form von Getränken aufnehmen, dass sie mindestens eine volle Hauptmahlzeit weglassen müssten, um das auszugleichen", sagt Ernährungsmediziner Erdmann.

Lieber kalorienarme Getränke wählen

Wasser oder ungesüßter Tee sind die besten kalorienfreien Alternativen. Wer gar nicht auf den süßen Geschmack verzichten mag, kann laut Erdmann auf Light- oder Zero-Limonaden umsteigen. Die Erfahrung zeigt dem Experten, dass Menschen mit Light-Getränken gut zurechtkommen – und kein zusätzliches Hungergefühl oder Appetit auf Süßes entwickeln, wie es oft heißt. "Eigene Versuche an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zeigen, dass nach dem Verzehr von mit Süßstoff gesüßten Mahlzeiten und Getränken in der Folge nicht mehr gegessen wird." Es gibt allerdings auch Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen.

Wer Saft trinken möchte, sollte Schorle verwenden, am besten im Mischungsverhältnis ein Teil Saft auf drei Teile Wasser.

Kohlenhydrate aus Getränken halten den Blutzucker hoch

Von der Energieaufnahme einmal abgesehen, stellen kalorienhaltige Getränke noch ein anderes Problem dar. Nach dem Genuss von Zucker (Glukose) – ob in fester oder flüssiger Form – schüttet der Körper Insulin aus. Das Hormon schleust die Glukose aus dem Blut in die Zellen.

"Zuckerhaltige Getränke stimulieren den Insulinspiegel sogar noch schneller als feste kohlenhydratreiche Mahlzeiten und führen zu höheren Insulinspitzen", sagt Professor Erdmann. "Selbst mit kleineren Zuckermengen in flüssiger Form bleibt der Insulinspiegel ständig hoch – und damit der Abbau von Fettgewebe über lange Zeiträume blockiert." Durch das Insulin schaltet der Stoffwechsel auf "Fettaufbau": Selbst wenn wir über mehrere Stunden nichts essen, aber eben Kalorienhaltiges trinken, zapft der Körper seine Fettdepots nicht an. Und man ist noch nicht einmal satt.

Unser Experte


Professor Johannes Erdmann

W&B/Stephan Höck

Professor Johannes Erdmann ist Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologe, Diabetologe und Ernährungsmediziner. Er verfügt über jahrelange Erfahrung mit übergewichtigen Patienten am Münchner Klinikum rechts der Isar. Seit 2011 ist Johannes Erdmann als Professor für Ernährungsmedizin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf tätig.



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