Thema: Abnehmen

Abnehmen: So stoppen Sie Heißhunger

Was tun, wenn einen die Lust auf Essen überfällt? Wie Heißhunger entsteht, wie er sich bremsen lässt und was hilft, damit es gar nicht so weit kommt

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 11.02.2016

Heißhunger: Jetzt ist die Sahnetorte dran!

Thinkstock/Pixland

Abnehmen ist gar nicht so leicht: Den ganzen Tag über haben Sie sich kalorienarm und abwechslungsreich ernährt, nach dem Job sogar noch Sport gemacht – doch dann ist da auf einmal dieser unwiderstehliche Drang nach Schokolade. Na, ein Stückchen schadet nicht. Wobei, ein zweites ist vielleicht auch noch drin ... nicht lange und die ganze Tafel ist aufgegessen. Solche plötzlich auftretenden starken Essensgelüste haben schon so manchen Abnehmwilligen aus dem Konzept gebracht.

Wie Heißhunger entsteht

Hungergefühle dienen als Signal des Körpers, für den Nachschub an Nährstoffen zu sorgen. Bei ihrer Entstehung spielt unter anderem der Insulinspiegel eine Rolle. Nach dem Verzehr von Süßigkeiten, die große Mengen Zucker enthalten, steigt der Blutzuckerspiegel sprungartig an, kurz darauf sinkt er schnell wieder ab. Die Folge ist ein starker Drang, etwas zu essen. Menschen mit Diabetes und Adipositas sind besonders anfällig für diese Form von Heißhunger.


Daneben begünstigen psychische Faktoren starke Essensgelüste. Zu diesen gehören Stress, Frust, aber auch Langeweile. „Heißhunger entsteht oft im Leerlauf, etwa wenn wir abends nach Hause kommen und nichts zu tun haben“, erklärt Dr. Martin Hofmeister, Ernährungswissenschaftler bei der Verbraucherzentrale Bayern. Im schlimmsten Fall werden die Fressattacken zur Gewohnheit. Die Gefahr besteht gerade bei Diäten. Längere Essenspausen wechseln sich dann mit Heißhungeranfällen ab. Treten die Attacken regelmäßig mehrmals die Woche auf, liegt möglicherweise eine ernsthafte Essstörung oder eine andere Krankheit vor. Dann empfiehlt sich ein Termin beim Arzt oder eine qualifizierte Ernährungsberatung.

Akuten Heißhunger bekämpfen

Die beste Vorgehensweise gegen plötzlichen Hunger hängt von der Ursache ab. Überkommt Sie dieser, weil Sie länger nichts mehr zu sich genommen haben, sollten Sie den Bedürfnissen des Körpers nachkommen und etwas essen. Allerdings besser keine zuckerhaltigen oder fetten Speisen. Essen mit viel Eiweiß und langsam verdaulichen Kohlenhydraten vertreibt den Hunger nachhaltiger.

Außerdem: Konzentrieren Sie sich ganz aufs Essen. Kauen Sie bewusst, spüren Sie den Geschmack der Speise, essen Sie langsam. Das fördert das Sättigungsgefühl. Nebenbei vor dem Fernseher zu essen, verleitet dazu, zu viel in sich hineinzuschaufeln. Gibt es gar kein Ankommen gegen die Lust auf Schokolade, hilft ein kleiner Kniff: „Brechen Sie ein Stück von der Tafel ab und verstauen Sie diese erst, bevor Sie das Stück essen“, rät Hofmeister. So geraten Sie gar nicht erst in Gefahr, die ganze Packung zu verputzen.

In der Regel dauern Heißhungerattacken gerade einmal eine gute Viertelstunde. Deshalb besteht eine gute Strategie darin, dem Bedürfnis nicht sofort nachzugeben und sich mit irgendeiner Tätigkeit abzulenken. Nach Ablauf der kritischen Minuten hat der Hunger nachgelassen oder ist leichter zu stillen. Zähne putzen und Kaugummi kauen helfen ebenfalls, die Zeitspanne zu überbrücken und den Hunger zu verringern. „Am besten eignen sich dazu zuckerfreie Sorten mit Pfefferminzgeschmack“, sagt Hofmeister.

Heißhunger: Die richtige Ernährung beugt vor

Heißhunger ist in den meisten Fällen vermeidbar. „Lassen Sie im Tagesablauf keine Mahlzeit aus“, empfiehlt Ernährungsexperte Hofmeister. So bleibt der Insulinspiegel auf einem relativ konstanten Niveau, der gefürchtete Hunger stellt sich gar nicht erst ein. Dabei ist es wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Trinken Sie über den Tag verteilt mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser, ungesüßte Tees und verdünnte Fruchtsaftschorlen – sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht. Das hemmt den Appetit und fördert den Stoffwechsel.


Besonders wichtig ist ein nahrhaftes Frühstück, um Sie für den weiteren Tag mit Ballaststoffen, Vitaminen und Eiweiß auszustatten. Ohne diese Grundlage steigt die Gefahr von Heißhungerattacken mit unnötiger Nascherei im Laufe des Vormittags. Behelfen Sie sich mit kleinen Snacks bei Durchhängern zwischen den Hauptmahlzeiten. Natürlich nicht mit Schokoriegeln, sondern mit Obst, Nüssen, einem Quark oder körnigem Frischkäse.

Bewegung ist eine nützliche Vorsorgemaßnahme vor Essensgelüsten aus Stress, Frust oder Langeweile. Das muss nicht unbedingt Sport sein, ein Spaziergang tut es auch. Die Aktivität bringt einen auf andere Gedanken, hemmt die Lust auf Süßes. „Wer sportlich aktiv ist, leidet unter weniger Heißhungerattacken“, sagt Hofmeister.

Alltagsgewohnheiten ändern, um Heißhunger vorzubeugen

Hilft das alles nicht, ist eine Analyse der genaueren Umstände notwendig: Wann überkommt mich der Hunger und warum? Heißhungeranfälle sind das Resultat schlechter Gewohnheiten. Ein Tagebuch hilft, derartige Muster aufzudecken. Schreiben Sie darin nicht nur Ihre Handlungen nieder, sondern auch die Gefühle, die Sie dabei haben. Auf diese Weise erfahren Sie, wo Sie ansetzen müssen.

Doch eine Umstellung der Alltagsgewohnheiten ist mühsam und benötigt Zeit. Vier bis sechs Wochen sollten Sie schon einplanen, bis die neuen Verhaltensweisen sich gefestigt haben. Lassen Sie sich Zeit und planen Sie Rückschläge ein. Wer zu schnell zu viel möchte, setzt sich unter starken Druck und droht am Ende frustriert zu scheitern. Ernährungsexperte Hofmeister empfiehlt deshalb ein Programm der kleinen Schritte: Nicht gleichzeitig mit regelmäßigen Mahlzeiten, kalorienarmer Ernährung und Sport beginnen, sondern nacheinander den Alltag umstellen.



Bildnachweis: Thinkstock/Pixland

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